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Eriksland

In jeder Buchhandlung: 452 S., 29 Euro (auch als e-Book)

Dienstag 1. April 2025, von Andreas Venzke

Was für ein Thema! So alt und doch (Amerika gedankt, in jeder Hinsicht) brandneu!

Fünfhundert Jahre lang siedelten auf der Westseite Grönlands die Wikinger. Sie trotzten der abgelegenen Gegend nicht nur, sie kultivierten das „grüne Land“. In dem Roman Eriksland wird erzählt, wie dann im 15. Jahrhundert für die Wikinger auf der riesigen Insel der Untergang dämmerte.

Die Wikinger siedelten auf Grönland seit dem Jahr 986 in zwei voneinander getrennten Gebieten: Der im Süden gelegenen Eystribygd, den Österbäuen im Roman, und der davon nördlich (und weiter westlich) gelegenen Vestribygd, den Westerbäuen. Historisch ist verbürgt, dass in den Österbäuen das Leben der Wikinger bis zum Beginn des 15. Jahrhundert bestand, vielleicht länger. In den Westerbäuen endete es wohl im 14. Jahrhundert.

Masae - Saga trails, Jette Arneborg, Danmarks Nationalmuseum, ISBN: 87-988378-3-4 Grønlands forhistorie,red. Hans Christian Gulløv, Gyldendal 2005, ISBN:87-02-01724-5 Á hjara veraldar, Guðmundur J. Guðmundsson, Sögufélagið, 2005, ISBN: 9979-9636-8-9
Die Westerbäue (Vestribygd)

Es gab vor allem zwei Gründe für den Untergang der Wikinger auf Grönland: Einmal kam es im 13. Jahrhundert zu einer lang anhaltenden „kleinen“ Eiszeit, wodurch die Schiffspassage nach Island und Norwegen immer schwieriger wurde. Außerdem konnten die Wikinger mit den von ihnen Skrälinger genannten Eskimos (hier den Kalaallit) wohl nicht in Frieden leben. Die Eskimos drangen ab dem 13. Jahrhundert vom Norden Grönlands in den Süden vor, und ihre überliefer­ten Sagen berichten von fortwährendem Streit mit den weißen Siedlern. 1408 ist das Datum, das sich als letztes auf wikingisches Leben in Grönland be­zieht. Danach schweigen die Quellen.

Es ist nicht bekannt, wie die Wikin­ger dann von Grönland verschwanden. Als man sich in Europa später ihrer er­innerte und sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf die Suche nach ihnen machte, fand man keinen ihrer Höfe mehr bewohnt. Stattdessen lebten nun die Eskimos in den von ihnen kultivierten Gebieten.
Vor diesem Hintergrund wird in Eriksland geschildert, wie sich der Nieder­gang der Wikinger auf Grönland abgespielt haben könnte.

Das Buch gliedert sich in fünf Abschnitte, die klassischer Ein­teilung entsprechen: Über die Einführung zum Höhepunkt und hin zur Kata­strophe.
Es wird gezeigt, wie sich die Öster- und Westerbäue so verfeindet haben, dass zwischen ihnen keine Beziehung mehr besteht. Unterschiedliche Herrschaftssysteme sind errichtet. Ein Grund dafür war ein Krieg, den die vereinten Wikinger gegen die Skrälinger geführt und verloren hatten. Über allem liegt nun ein unbekannter Fluch, der über das weitere Schicksal der Wikinger entscheidet.

Der Roman hat einen eigenen, urtümlichen Stil. Vorbild sind die wikingischen Sagas, wo moderne Erzählelemente wie Rückblick, eingehende Personencharakterisierung, Perspektivwechsel, Innenschau nicht vorkommen. Die Spannung ergibt sich aus dem Fortgang der Handlung. Alles Gewicht liegt auf dem Erzählerischen. So wird dem Leser seine Souveränität nicht genommen. Er wird nicht an der Leine geführt. Es wird nicht moralisiert.

Die Sprache ist dem Stil angeglichen. In Eriksland wird einfach und klar erzählt, nackt bis auf die Haut.

Masae - Saga trails, Jette Arneborg, Danmarks Nationalmuseum, ISBN: 87-988378-3-4 Grønlands forhistorie,red. Hans Christian Gulløv, Gyldendal 2005, ISBN:87-02-01724-5 Á hjara veraldar, Guðmundur J. Guðmundsson, Sögufélagið, 2005, ISBN: 9979-9636-8-9
Die Österbäue (Eystribygd)